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Interview mit Carlo Meier

Interview mit Carlo Meier

Carlo Meier, nach Ihrer erfolgreichen Jugendbuchreihe „Die Kaminski-Kids“ schreiben Sie erstmals wieder ein Buch für Erwachsene, diesmal mit zwei älteren Herren in der Hauptrolle. Wechseln Sie nun direkt vom Kindesalter in reifere Gefilde?
Erst einmal: Mit den Kaminskis mache ich natürlich weiter. So gesehen verbinde ich hier das jüngere Kind im Manne mit dem etwas älteren Kind im Manne ... Sehr unterschiedlich sind die beiden Altersgruppen eigentlich gar nicht. Bei Lesungen habe ich gemerkt, dass viele reifere Leute gelöst und humorvoll sind, und die Idee hat mich fasziniert, eine Geschichte auf dem Grundton dieser heiteren Gelassenheit zu schreiben.
 
Weshalb der englischsprachige Titel „Hope Road“?
Es geht in dem Buch um eine WG an der Londoner Hope Road, was übersetzt etwa „Strasse der Hoffnung“ heissen könnte. Ich finde, der Strassenname passt als Buchtitel zu einer Geschichte, die viel mit Hoffnung zu tun hat. Die Story beginnt ja damit, dass die beiden Jugendfreunde Owen und Patrick nach ihrer Pensionierung und nach dem Tod von Owens Frau gemeinsam eine WG gründen. Sie wagen einen Neustart in ihrem Leben und lassen sich auf etwas völlig Unbekanntes ein. Turbulent wird es, als mit der 63-jährigen Elisabeth eine dritte Bewohnerin in der WG einzieht. Eine Frau im bisher reinen Männerclub, und noch dazu eine so junge (!) – kann das wohl gutgehen?
 
Warum spielt die Geschichte in London und nicht in Zug, wo Sie leben?
Es war schon immer mein Traum, einmal eine Londoner Story zu schreiben – als Kulisse für eine charmante Geschichte mit Zutaten eines englischen Kriminalromans ist die Stadt geradezu ideal. Schon als Kind war ich zum ersten Mal dort, und seither bin ich dieser stimmungsvollen Atmosphäre erlegen. Meine Mutter arbeitete in den 50er-Jahren als Hausangestellte in einem „besseren Haus“ in London – nicht gerade am Eaten-Place, aber ganz in der Nähe – und hat uns immer viel aus dieser Zeit erzählt. So war mein Interesse an den original-englischen Sitten und Gebräuchen natürlich schon früh geweckt.
 
Zum Beispiel am Original-English-Breakfast …
Genau, das beste Frühstück der Welt. Lecker! (Ein Rezept dazu findet sich beim Bonusmaterial - Anm.)
 
Welches ist neben dem kulinarischen Höhepunkt Ihre anderweitige Lieblingsstelle im Buch?
Mir sind natürlich viele Stellen ans Herz gewachsen. Wenn ich jetzt auf die Schnelle eine aussuchen muss, dann wähle ich die Szene in der Seniorenresidenz, wo Owen und Patrick zur Aufklärung eines zweifelhaften Todesfalls auf nicht ganz legale Weise das Zimmer eines wortkargen Zeugen durchsuchen. Und ausgerechnet, als dieser Bewohner vorzeitig zurückkehrt, bekommt Owen einen Hexenschuss und kann sich nicht mehr bewegen …
 
Autsch, wenn das bloss gut ausgeht ... Und welches ist Ihre Lieblingsfigur?
Am Ende der Geschichte fiel mir auf, dass die zwei Hauptfiguren Owen und Patrick den einen oder anderen – nicht nur positiven – Zug von mir haben, da muss sich etwas in die beiden Charaktere eingeschlichen haben, ohne dass ich es merkte … Die beiden stehen mir also sehr nahe. Aber meine heimliche Lieblingsfigur ist eindeutig ein anderer, nämlich Mortil, der Mann mit der glänzenden Brillantine-Frisur und den nikotingelben Fingern, der seinen Laptop-Computer im Altersheim seiner Mutter anschliesst, weil dort der Strom aufs Haus geht. Kennen Sie den Typ Mensch?
 
Ja, der ist mir auch schon irgendwo begegnet …
Sehen Sie, und erst recht reizend wird’s, wenn Mortil an dem Casting teilnimmt, das Owen und Patrick zur Wahl ihres neuen WG-Bewohners durchführen. Dort bewirbt sich Mortil ziemlich aufdringlich, also nicht gerade auf die feine englische Art um einen Platz an der Sonne ...
 
Und bekommt er ihn – wird er in die WG aufgenommen?
Mortil am stilvollen Breakfast-Tisch in der Hope Road? Wer weiss – lesen Sie selbst …