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Interview mit Lisa Gangwisch

Interview mit Lisa Gangwisch

Lisa Gangwisch, Sie haben ursprünglich die Idee für den Roman gehabt – wie sind Sie darauf gekommen?
Der Autor hat mich eines Tages nach Ideen gefragt, und mir sind spontan einige eingefallen. Eine davon drehte sich um Hauptpersonen gesetzten Alters, als Alternative zu den gängigen Storys – es gibt schon genügend Geschichten über die Jungen und Schönen dieser Welt. Die Nacht darauf verbrachte ich dann praktisch schlaflos – wie in einem Film gingen mir Szenen durch den Kopf, auch witzige, die mich zum Lachen brachten.
 
Wie war es für Sie danach, den Buchtext zu lesen? Kam der Roman so heraus, wie Sie ihn sich in jener schlaflosen Nacht vorgestellt hatten?
Es entstanden mehrere Fassungen – am Text wurde viel gefeilt, und er kam meiner Vorstellung immer näher. Andererseits gab es auch Wendungen, die für mich völlig neu waren. So hatte ich zum Beispiel ursprünglich an ein Männerduo im Altersheim gedacht, und daraus wurde dann eine WG von reiferen Leuten. So hat sich im Verlauf des Schreibprozesses vieles gewandelt, aber die Essenz ist geblieben. 
 
Sie zeichnen für das Titelbild verantwortlich, aber auch für die acht stimmungsvollen Innenbilder. Mit welcher Technik sind die Bilder entstanden?
Das Cover habe ich mit farbiger Tusche gemalt, mit zum Teil extrem feinen Pinseln, da ich sehr gerne ins Detail gehe. Die Innenbilder sind mit schwarzer Tusche und roter Gouache entstanden.
  
Das Handwerk ist das eine, aber das wirkliche Geheimnis Ihrer Bilder ist die unglaublich dichte Atmosphäre. Man hat das Gefühl, vor Ort in eine Szene einzutauchen, die Geräusche zu hören, die Düfte zu riechen – wie schaffen Sie das?
Ich versuche mich in den jeweiligen Schauplatz hineinzuleben und dann den Querschnitt all meiner Eindrücke in ein einziges Bild zu komprimieren. Um eine persönliche Note reinzubringen, habe ich zudem auf einigen Bildern kleine Botschaften einfliessen lassen, etwa durch Inschriften auf Werbeplakaten oder Kinoanzeigen.
 

Wie genau lief ihre Zusammenarbeit mit dem Autor? War zuerst der Text, dann die Bilder, oder entstand beides parallel?
Mit den Bildern lief es genau umgekehrt wie mit dem Text: Die Grundidee für die Illustrationen kam vom Autor, die er in Zusammenarbeit mit dem Verleger entwickelt hatte, und ich habe sie dann umgesetzt.

Das klingt nach einem echten Team!
Das kann man wohl sagen! Da ich im Gegensatz zu den Kaminski-Kids-Jugendbüchern, wo wir seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, hier nicht konkrete Szenen aus dem Buch bebildere, beziehen die Illustrationen in „Hope Road“ ihre Stimmung aus den typischen Londoner Strassenszenen und Schauplätzen.    
 
Welches ist Ihre Lieblings-Szene im Buch?
Mir gefällt nicht eine spezielle Szene besonders, sondern das WG-Leben als Ganzes – das Zusammenleben mit allem, was dazugehört, das sich in vielen kleinen Episoden durch das ganze Buch zieht.   
 
Und welches ist Ihre Lieblingsfigur?
Die zwei Hauptpersonen Owen und Patrick – zwei verschiedene Charaktere mit ihren Eigenheiten, Stärken und Schrullen, die einander respektieren und die gemeinsam viel erleben. Mich begeistert ihre Kombination von Alter, Cleverness, Liebenswürdigkeit, Ideenreichtum und Pfiffigkeit. Zwei Leute, die man gerne im Bekanntenkreis hätte!
 
Zum Schluss noch: Wem empfehlen Sie dieses Buch? Für wen ist es besonders geeignet?
Ich habe gemerkt, dass es auch bei ganz Jungen auf grosses Interesse stösst. Dazu eignet es sich ebenso für alle anderen, sehr gut etwa als Geschenk für Eltern und Grosseltern oder einfach für sich selbst. Weil das Buch zeigt, dass das Leben auch in reiferen Jahren noch lange nicht vorbei ist und ein herrlich erfrischendes Bild vom Alter zeichnet.